Ein erheblicher Teil dieser Medikamente stammt aus Privathaushalten, aber auch Apotheken, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser entsorgen regelmäßig größere Mengen an Arzneimitteln. Beeinflusst wird diese Menge vor allem auch durchgesetzliche Vorgaben und strenge Sicherheitsanforderungen: In Pflegeheimen und Kliniken dürfen angebrochene Medikamente nurfür eine Patientin bzw. einen Patienten verwendet werden, gleiches gilt für zurückgegebene Arzneimittel in Apotheken. Hinzu kommt eine häufig großzügige Verordnungspraxis, die zur Überversorgung beiträgt. Medikamente werden vorsorglich verschrieben, aber gar nicht oder nur teilweise eingenommen. Auch auf Vorrat gekaufte Präparate landen häufig ungenutzt in der Abfalltonne.
Durch die großen Mengen von Medikamentenabfällen gehen wertvolle Ressourcen verloren, die dringend für die Herstellung benötigter Arzneimittel gebraucht werden würden. 2024 wurden in Deutschland mehr als 1.600 Medikamente als nicht verfügbar gemeldet, darunter lebenswichtige Präparate für die Behandlung von Krebs, Diabetes oder Asthma. Neben der ökonomischen Problematik, besteht auch aus ökologischer Perspektive Handlungsbedarf: Denn die Konzentration von Arzneimittelwirkstoffen in der Umwelt nimmt stetig zu. Um die Umwelt zu schützen, ist der richtige Entsorgungsweg zu beachten. In vielen Regionen können Privathaushalte kleinere Mengen über den Restabfall entsorgen, wo Medikamente in modernen Verbrennungsanlagen sicher vernichtet werden. Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken müssen größere Mengen gemäß Abfallschlüssel 180109 entsorgen, für zytotoxische oder zytostatische Arzneimittel gilt Abfallschlüssel 180108*.
Ein Forschungsprojekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg setzt auf das Recycling von Wirkstoffen: Altmedikamente werden gezielt gesammelt, um ihre Wirkstoffe für die Forschung zurückzugewinnen. Die Mittel werden analysiert, Wirkstoffe von den Hilfsstoffen getrennt und für weitere Untersuchungen nutzbar gemacht. Auf diese Weise ließen sich allein im Jahr 2022 rund zwei Tonnen Altmedikamente recyceln. Das Team um Prof. Dr. Heinrich hat bis heute ein Netzwerk von mittlerweile mehr als 30 deutschen Kliniken sowie ersten europäischen Partnern aufgebaut, die die recycelten Wirkstoffe zur Aufbereitung zur Verfügung stellen.